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„Aufbruch“ – Selbstbestimmte Perspektiven für Frauenhausbewohnerinnen

Viele Frauen werden tagtäglich Opfer häuslicher Gewalt und ziehen infolgedessen in ein Frauenhaus oder suchen sich anderweitig Rat. Statistiken zeigen, dass jede vierte Frau in Deutschland schon einmal in ihrem Leben Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erfahren hat.  Um aus einer Gewaltbeziehung erfolgreich entfliehen zu können, bedarf es grundlegender Veränderungen, die mitunter bedeuten, dass eine Frau ihr gewohntes soziales Umfeld verlassen und sich neu orientieren muss. Voraussetzung, um sich aus einer durch Gewalt geprägten Beziehung lösen zu können, ist vor allem auch die ökonomische Unabhängigkeit. Das Ziel eines selbstbestimmten Lebens erfordert eine (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt, damit die Betroffenen wirtschaftlich unabhängig sind und somit auf eigenen Beinen stehen. Allerdings treten hierbei häufig Probleme auf. Nicht selten sind betroffene Frauen traumatisiert und haben aufgrund erlittener Gewalt mitunter auch körperliche Einschränkungen. Längere Abwesenheit auf dem Arbeitsmarkt, geringe Qualifikationen sowie sprachliche Hindernisse und die Tatsache, dass ein Großteil der Opfer alleinerziehend ist, erschwert die Situation zusätzlich.

Mit Hilfe des Europäischen Sozialfonds (ESF) wurde aus diesem Anlass das Projekt „Aufbruch“ ins Leben gerufen, welches Opfern häuslicher Gewalt die (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt ermöglicht. Bewohnerinnen von Frauenhäusern und Ratsuchende aus dem Hilfesystem Opferschutz werden zu den Beraterinnen von „Aufbruch“ vermittelt, die sich dann individuell und umfangreich um die Betroffenen kümmern. So reicht die Unterstützung von Begleitung der Frauen zu Behörden und Betrieben über die Planung einer beruflichen Karriere bis zum gesamten Bewerbungsprozess. Dieser beinhaltet das Bewerbungstraining, das mit Coachings gefördert wird, Workshops zur Findung des passenden Berufsfeldes sowie die Vermittlung an einen Ausbildungsbetrieb. Darüber hinaus gibt es für die Teilnehmenden je nach persönlicher Situation die Möglichkeiten von Weiterbildungen, Praktika, Studium und Deutschkursen. Werden die Frauen erfolgreich vermittelt, so findet zudem eine Nachbetreuung statt, welche beispielsweise die Integration in das Arbeitsumfeld fördert, sodass die Frauen nicht auf sich allein gestellt sind. Da neben den Teilnehmenden auch beteiligte Behörden, Institutionen und Arbeitgeber eine wichtige Rolle spielen, kümmert sich das Projekt zudem um die Sensibilisierung rund um das Thema Arbeitsmarktintegration für Opfer häuslicher Gewalt .

Wie erfolgreich das Projekt angelaufen ist, zeigt eine aktuelle Schriftliche Kleine Anfrage (Drs. 21/6573) der Abgeordneten Annkathrin Kammeyer (SPD) und Mareike Engels (GRÜNE):  Schon 136 Personen haben sich seit Projektbeginn in 2014 an „Aufbruch“ gewandt. Das Projekt stellt damit einen wichtigen Baustein für die Zukunft von Opfern häuslicher Gewalt dar. Die SPD- und GRÜNE-Bürgerschaftsfraktion begrüßen daher, dass das Projekt auch weiterhin im Rahmen des Europäischen Sozialfonds gefördert wird.

Ebenfalls in einer Kleinen Anfrage, haben sich die beiden Abgeordneten mit dem Projekt „VIVIENDA“ befasst. Dieses unterstützt mit großem Erfolg Frauenhausbewohnerinnen bei der Suche nach eigenem Wohnraum (siehe SKA 21/5584). Es gehört zur Lawaetz – wohnen & leben gGmbH und ist nicht nur bei der Wohnungssuche, sondern auch beim Einzug und in der Übergangszeit in der neuen Wohnung eine Unterstützung für die Frauen. Beides sind wichtige Elemente um zum Empowerment und zur Selbstständigkeit der betroffenen Frauen beizutragen.

Teilnehmerinnen dieser Projekte haben den wichtigsten Schritt, der keineswegs selbstverständlich ist und leider viel zu selten gegangen wird, schon absolviert: Hilfe suchen! Die meisten Frauen schaffen es nicht von allein aus den Gewaltbeziehungen zu entfliehen und sich zum Beispiel bei einem Frauenhaus Hilfe zu holen. Um ihnen diesen Schritt zu erleichtern haben die rot-grünen Regierungen in Hamburg und Schleswig-Holstein eine gemeinsame Hotline eingerichtet, welche rund um die Uhr erreichbar ist und die zentrale Notaufnahme der Hamburger Frauenhäuser darstellt. Hilfsbedürftige können die Hotline und weitere Informationen unter folgendem Link einsehen: http://www.24-7-frauenhaeuser-hh.de/

Eine eigene Wohnung ist Grundvoraussetzung, um aus gewaltbelasteten Strukturen herauskommen zu können. Darum ist es gut, dass sich die neue Koordinierungsstelle gemeinsam mit dem Projekt VIVIENDA um die Wohnungsvermittlung kümmert.

Wichtig ist, dass die Frauenhäuser den betroffenen Frauen helfen, eigene Perspektiven aufzubauen. Die Vermittlung in den Arbeitsmarkt und in den eigenen Wohnraum sind zwei Grundpfeiler für ein selbstbestimmtes Leben der Frauen. Daher unterstützen die Abgeordneten Annkathrin Kammeyer und Mareike Engels die Projekte „Aufbruch“ und „VIVIENDA“ sehr.

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